Schielbehandlung

Kategorien:Augenerkrankungen

Beim angeborenen manifesten Schielen ist die beidäugige Zusammenarbeit der Augen gestört. Ein Auge weicht in eine Schielstellung ab. Doppelbilder werden meist nicht wahrgenommen, da der Seheindruck des abweichenden Auges unterdrückt wird. Wenn immer nur ein Auge abweicht, besteht die Gefahr, dass das abweichende Auge schwachsichtig wird. Daher ist die wichtigste Behandlung das stundenweise Abkleben des Führungsauges, damit beide Augen eine gute Sehschärfe entwickeln. Wichtig ist auch das Tragen der korrekten Brille, da beim Schielen meist Fehlsichtigkeiten vorliegen. Brillenwerte lassen sich bei Kindern zuverlässig nur mit Hilfe einer Tropfuntersuchung ermitteln. Eine Augenmuskeloperation zur Korrektur der Schielstellung wird ab dem 3. Lebensjahr durchgeführt, in Ausnahmefällen auch früher. Die Operation dient dazu, die Augen in eine sehr kleine Schielstellung zu operieren, die nicht mehr auffällt. Grobes beidäugiges Sehen kann häufig erreicht werden, hochwertiges Stereosehen nicht, da beim Schielen eine Reifungsstörung der beidäugigen Zusammenarbeit vorliegt und die entsprechenden Zellen im Gehirn häufig nicht angelegt sind. Daher ist es sehr wichtig, dass nach erfolgreicher Operation das Abkleben des Führungsauges weiter fortgeführt wird und die Brille weiter getragen wird. Beim Außenschielen sind bei ca. 40 – 50% aller Patienten im Laufe des Lebens mehr als eine Operation erforderlich, beim Innenschielen in weniger als 10% der Fälle Zweiteingriffe erforderlich. Bei Störungen der schrägen Augenmuskeln liegt die Quote an erforderlichen Zweiteingriffen ebenfalls unter 10%. Mit Hilfe der Operation werden die Augenmuskeln so verlagert, dass sie zum nicht korrekten Steuerungsmuster des Gehirns passen, es wird also „am falschen Ende“ operiert, da die Ursache nicht behoben werden kann. Daraus erklären sich die manchmal erforderlichen Nachoperationen. Ihr Augenarzt führt häufig in Zusammenarbeit mit einer Orthoptistin die „Abklebetherapie“ = Amblyopietherapie durch und überweist Sie dann zu uns zur Operation.

Schielen kann auch bei Erwachsenen operiert werden, vor einer Operation werden Tests durchgeführt, um das Risiko von Doppelbildern nach der Operation einschätzen zu können und Sie entsprechend zu beraten. Wir müssen nur bei wenigen Patienten von einer Operation abraten.

Die meisten Menschen (80% der Bevölkerung) haben ein latentes = „verstecktes“ Schielen, das nur in sehr wenigen Fällen Beschwerden verursacht. Dekompensiert latentes Schielen, so haben die betroffenen Personen häufig Kopfschmerzen im Stirnbereich, nehmen Doppelbilder wahr und sehen verschwommen. Nur in diesen Fällen sollte der Schielwinkel zunächst mit Prismengläsern ausgeglichen werden, bei größerem Schielwinkel mit Hilfe einer Augenmuskeloperation. Die überwiegende Mehrheit aller Menschen mit latentem Schielen sollte bei Beschwerdefreiheit nicht mit Prismengläsern korrigiert werden, da man so den Schielwinkel in operationswürdige Größen hochtreiben kann, obwohl dies eigentlich nicht erforderlich gewesen wäre. Bei verschwommenem Sehen und Kopfschmerzen im Stirnbereich sollte neben einer genauen organischen Untersuchung der Augen auch die Brille (Fern- und Lesebrille) überprüft werden, da häufig eine nicht mehr ganz korrekte Brille die unangenehmen Beschwerden verursacht.